Bremen (tip). Fußball-Landesligist FC Union 60, sportlich derzeit überaus erfolgreich und als Aufsteiger noch mit guten Chancen auf den Durchmarsch in die Bremen-Liga, hat den Vertrag mit Trainer
Helmut Klußmann vorzeitig um zwei Jahre bis 2013 verlängert. "Auch wenn es sportlich nicht auf Anhieb so erfolgreich gelaufen wäre, wären wir überzeugt davon, dass unser eingeschlagener Weg der
richtige ist", sagt Unions Vorsitzenden Axel Viereck. "So impulsiv Helmut Klußmann auf dem Platz sein kann, so weitsichtig ist er, was das Konzeptionelle betrifft. Es gibt wohl kaum jemand
Engagierteren, der zudem noch so fachlich kompetent ist."
Klußmann ist mit der Verlängerung des ohnehin noch bis 2011 datierten Vertrages neben den Trainertätigkeiten beim Landesliga-Team und den Verbandsliga-A-Junioren somit weiterhin langfristig als
sportlicher Leiter für den leistungsorientierten Bereich in der C-, B- und A-Jugend sowie auf Herrenebene tätig. Der Fußball-Fachmann hat durch eine intensivere Zusammenarbeit in den
verschiedenen Juniorenbereichen eine bessere Entwicklungsmöglichkeit der Nachwuchskräfte vorangebracht und mit der ersten Herrenmannschaft ein Team aufgebaut, dass eine sportliche Perspektive für
den Nachwuchs bietet.
Mit einem jungen Kader hat der FC Union 60 Bremen den Aufstieg in die Landesliga geschafft. Und auch in der neuen Liga hält Helmut Klußmann an diesem
Prinzip fest. Als Trainer der Herrenmannschaft und der A-Junioren plant er, beide Bereiche noch enger miteinander zu verbinden.
Patrick Hoffmann sprach mit Klußmann über diesen Jugendstil und die unerwartete Favoritenrolle.
PH: Einige Ihrer Trainerkollegen in der Landesliga zählen Union 60 zum erweiterten Favoritenkreis um den Aufstieg. Sie auch?
HK: Ich habe das auch mit Interesse gelesen. Wir wurden genannt, obwohl wir ein Aufsteiger sind. Das ehrt mich und zeigt, dass meine Arbeit anerkannt wird.
Meisterschaftsfavoriten nenne ich aber aus Prinzip nicht.
PH: Warum nicht?
HK: Jede Mannschaft in der Landesliga hat ihre Stärken und ihren ganz eigenen Weg, zum Erfolg zu kommen. Und manchmal platzt bei einem Team der Knoten, dann steht plötzlich
jemand ganz unerwartet auf einem der vorderen Tabellenplätze. Aber natürlich gibt es in der Landesliga die üblichen Verdächtigen: Tura Bremen, Burg und der SC Weyhe zum Beispiel.
PH: Und mit welchen Ambitionen gehen Sie in die neue Saison?
HK: Mir geht es in erster Linie darum, Kontinuität zu schaffen. Sportlich und auch was den Charakter der Spieler betrifft. Ich möchte eine Saison mit möglichst wenig Aufs und Abs
erleben. Auch wenn es natürlich mal einen Ausrutscher geben wird. Daher halte ich auch nichts von quantitativen Saisonzielen. Entscheidend ist, die Qualität der Mannschaft zu erhöhen. Wenn das
gelingt, steigt auch die Wahrscheinlichkeit eine bessere Platzierung zu erreichen. Daraus ergeben sich dann eventuell neue Ansprüche. Die Ihnen zugeschobene Favoritenrolle weisen Sie aber auch
nicht ganz von sich. Nun, ich weiß doch, was der Anspruch der Mannschaft ist. Wir haben viele Spieler, die Bremen-Liga erfahren sind. Auch unsere A-Junioren haben in den vergangenen Jahren in der
Verbandsliga gespielt. Wenn wir also sehen, dass wir mithalten können, muss man abwarten, was kommen wird.
PH: Der Kader ist insgesamt sehr jung. Dennoch hoffen Sie auf konstante Leistungen. Passt das zusammen?
HK: Ja. Ich glaube nämlich nicht an große Leistungsschwankungen. Schon in der vergangenen Saison, als der Kader relativ klein war, haben die eingesetzten A-Junioren tolle Spiele
im Herrenbereich gemacht. Außerdem habe ich einen guten Blick dafür, ob ein Jugendlicher eine Pause braucht.
PH:Die können Sie ihm in diesem Jahr bei einem Kader mit 25 Spielern ja ohne Probleme gönnen, oder?
HK: Richtig. Jetzt ist es halt meine Aufgabe, die Leistungsdichte zu erhöhen. Ich möchte den 25. Spieler im Kader näher an den Elften heranführen. Das hat in der Vorbereitung
bislang schon ganz gut funktioniert.
PH: Bleibt aber immer noch die mangelnde Erfahrung. Wie wichtig ist der Faktor Routine in der Landesliga?
HK: Das kann über lange Dauer durchaus ausschlaggebend sein. Die Erfahrungswerte der Spieler und Mannschaften in der Landesliga sind größer als in der Bezirksliga. Das ist ein
Qualitätssprung.
PH: Abgesehen davon. Welche Schwächen hat Ihre Mannschaft?
HK: Uns fehlt noch etwas von dem, was ich Handlungsschnelligkeit nenne, die Eigenschaft, auf begrenztem Raum in begrenzter Zeit zu bestehen. Wir verlieren noch zu früh die
Nerven. Das führt dann zu Ballverlusten. Unser Testspiel gegen den Bremer SV war ein gutes Beispiel dafür: Während der BSV den Ball über zehn Stationen gehalten hat, ging es bei uns meist nur
über drei Stationen.
PH: Was muss sonst noch verbessert werden?
HK: Wir müssen abgezockter werden, unter bestimmten Umständen auch mal mit einem 2:2 zufrieden sein. Die Jungs haben dann aber in der Vergangenheit lieber im Hurra- Stil auf Sieg
gespielt - und stattdessen eine Niederlage kassiert. Gleichzeitig ist dieser unbedingte Wille aber auch eine unserer Stärken.
PH: Womit wir bei der Gegenfrage wären: Was sind die Stärken des Teams?
HK: Die Leistungsdichte und die Vielseitigkeit der einzelnen Akteure. Niemand im Kader ist positionsgebunden. Ich kann da nach Belieben variieren.
PH: Das gilt nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Tammo Feuerherdt auch für die Position im Tor - wenn auch ungewollt.
HK: Stimmt, wir verfügen da über drei ganz junge Leute, von denen zwei noch bei den A-Junioren spielen können. Wenn es also gelänge, einen erfahrenen Torhüter zu bekommen, wäre
das vielleicht hilfreich. Gerade bei den Ansprüchen der Mannschaft.