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„Empfangen wie die Nationalmannschaft“

A-Junioren des FC Union zu Gast in Israel und Palästina / Lemke ermöglicht Spiel gegen U19-Auswahl in Ramallah

Von Timo Sczuplinski

Bremen. Als der Flieger am vergangenen Wochenende wieder in Bremen aufsetzte, schniefte und hustete fast jeder von ihnen ein wenig. Ganz normale Jetlag-Symptome eben nach einem ganz besonderen Trip der A-Junioren des FC Union 60. Für zehn Tage waren die Nachwuchsfußballer von der Pauliner Marsch in Israel und Palästina zu Gast. Aus Nah-Ost brachten sie dabei jedoch sehr viel mehr mit als einen kleinen Schnupfen. Neben Eindrücken aus Jerusalem und Bremens Partnerstadt Haifa war da vor allem die Erfahrung, als erstes westliches Juniorenteam überhaupt gegen eine palästinensische Nachwuchs-Auswahl angetreten zu sein. „Wir wurden dort fast schon empfangen, als wären wir die deutsche Nationalmannschaft“, unterstreicht A-Junior David Haskamp die Besonderheit des Besuches. „Schließlich haben wir Deutschland dort auch in gewisser Weise repräsentiert.“Der Vergleich mit der palästinensischen U19-Nationalmannschaft in Ramallah, die Hauptstadt des Westjordanlandes, wurde erst kurzfristig durch die Unterstützung von Willi Lemke im Rahmen seiner Funktion als UN-Sonderbotschafter eingefädelt. Vor dem Anpfiff standen die Unioner Talente in ihren Trainingsanzügen teetrinkend gemeinsam mit dem Nachwuchs aus Palästina auf dem Kunstrasen im Flutlicht des kleinen Stadions. „Das Teetrinken vor dem Spiel ist dort Brauch“, erklärt Haskamps Teamkollege Torben Jakobeit die Zeremonie vor dem Match, während der man sich trotz aller Sprachbarrieren mit dem gegnerischen Team austauschte. Beim anschließenden Freundschaftsspiel klappte es dann auch ohne große Worte. Besonders auf Seiten der Unioner. Nach dem Singen der Nationalhymne trafen Ferdinand Ehl und Lukas Engel vor 300 Zuschauern und sicher noch einigen mehr vor den TV-Geräten in Palästina zum 2:0 für die Gäste aus Bremen. Erst in der Nachspielzeit verkürzten die Gastgeber, die sich gerade auf die Asien-Meisterschaft vorbereiteten, per Elfmeter zum 1:2-Endstand. Unabhängig vom Ergebnis war der kurze Ausflug nach Ramallah ein riesiges Erlebnis. „Der Tag in Palästina war eines der Highlights dieser Reise“, sagt Torben Jakobeit. Nach vier Tagen straffem Kulturprogramm in Jerusalem inklusive Besuch an der Klagemauer und einem Abstecher ans Tote Meer ging es für die Unioner am fünften Tag vom israelischen Gebiet hinüber auf die palästinensische Seite. Vorbei an der acht Meter hohen Mauer, die beide Länder trennt, eskortiert von Polizeiautos. Nach Kranz-Niederlegung am Denkmal des verstorbenen Yassir Arafat folgten der offizielle Empfang von der palästinensischen Verbandsspitze und das Freundschaftsspiel Danach ging es umgehend zurück nach Israel. Nächstes Ziel war Haifa. Die Partnerstadt war genau genommen auch das Hauptziel der Bremer. Denn die Jugendbegegnung war sozusagen ein Gegenbesuch. 2006 entstand beim „One-Nation-Cup“, als eine Jugendmannschaft aus Haifa in Bremen zu Gast war, der Kontakt. Für die Realisierung der Reise wurden die Unioner nun unter anderem von der Stadt Bremen, den Bremer Daniel-Schnakenberg- und Waldemar-Koch-Stiftungen, der Sparda-Bank, der EU-Fraktion der Grünen und der Firma „Osmer Solartechnik“unterstützt. Auf das Highlight in Palästina folgten in den beiden darauffolgenden Tagen Fußballspiele gegen die U18-Teams von Maccabi Haifa und Hapoel Tel Aviv, die nach dem großen Kräfteverschleiß mit 0:2 und 0:4 verloren gingen. Die Niederlagen störten aber nur beiläufig, denn vielmehr stand der Dialog mit den Israelis vor Ort im Vordergrund. „Manchmal war es nicht ganz einfach, sich über den Nah-Ost-Konflikt zu unterhalten, weil man auch etwas unsicher war, was man denn alles sagen darf“, beschreibt David Haskamp . Derweil schwebt Jens Lohmann, über dessen Mithilfe die Reise erst zustande kam, schon die nächste Idee vor. „2011 findet der nächste One-Nation-Cup in Bremen statt. Es wäre ein Traum, dabei jeweils ein palästinensisches und ein israelisches Team begrüßen zu dürfen.“

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